Endlich auf DVD: Quadrophenia Live

Quadrophenia liveDarauf mussten Who-Fans lange warten: Mehr als acht Jahre nach Ende der Quadrophenia-Tour 1996/1997 gibt es das Meisterwerk aus der Feder Pete Townshends endlich auch als Live-DVD. 93 Minuten dauert der Quadrophenia-Auftritt, und um das Ganze abzurunden, gibt es noch das Tommy-Konzert aus Los Angeles von 1989 sowie Zugaben der Quadrophenia Tour als Bonus obendrein.

Gut, die Einleitung wird der Gleichberechtigung der beiden "Rock Operas", wie sie immer wieder genannt werden, nicht gerecht, doch der weitaus interessantere Teil der Dreier DVD, die jetzt erschien, ist eben aus besagten Gründen das Quadrophenia-Konzert.

Aufgenommen im November 1996 in den USA enthält die DVD es das komplette Werk von der ersten bis zur letzten Minute in guter Sound- und Bildqualität. Alle Filmeinspielungen sind perfekt vorhanden, man bekommt wirklich einen hervorragenden Eindruck von den Aufritten. Der gute Klang lässt Live-Atmosphäre aufkommen. Da spielt es auch keine Rolle, dass die Konzerte des Jahres 1997 anders waren, denn Pete griff wesentlich öfter zur E-Gitarre als noch 1996. Aber der guten Stimmung tut das keinen Abbruch.

Mängel? Nicht wirklich, höchstens vielleicht die Tatsache, dass Simon Townshend an der Lead-Gitarre eben nicht den Who-Sound so rüber bringt, wie Townshend selbst es ein Jahr später tat. Und: Bei den Instrumentalstücken "Quadrophenia" und "The Rock" läuft komplett der Hintergrund-Film mit sich zum Teil wiederholenden Meeres-Szenen. Ein paar mehr Live-Einspielungen während dieser knapp 13 Minuten wären spannender gewesen, besonders der Moment, als Pete während "The Rock" zu seiner weißen E-Gitarre greift und sein erstes Solo-spielte.

Die Band selbst ist in guter Verfassung, die Quadrophenia-Tour gehörte fraglos mit zu den besten, die die Who nach Keith Moons Tod 1978 spielten. Und es funktioniert! Erklärt Townshend im Kommentar, dass die Musik des Albums 1973 ein Erfolg war, das ganze live auf der Bühne in den Jahren 1973/74 aber überhaupt nicht funktioniert habe, so kann man hier das Gegenteil feststellen: Quadrophenia live ist phantastisch!

Tommy fällt dagegen zwar nicht ab, aber die auf der zweiten DVD enthaltene Show ist Who-Fans nichts Unbekanntes. Unter dem Namen "The Who Live featuring The Rock Opera Tommy" wurde das Konzert Anfang der 1990er Jahre als VHS-Kassette veröffentlicht. Natürlich ist die Sound-Qualität hier klasse, aber warum die Produzenten erneut die Zugabe Summertime Blues weggelassen haben, ist nicht zu verstehen? Ansonsten gibt es das Konzert fast in voller Länge mit allen Gästen - Elton John, Patti LaBelle, Steve Winwood, Billy Idol und Phil Colins - und macht dementsprechend Spaß - Tommy und der zweite Teil des Sets.

Dieser zweite Teil ist ebenso wie die Zugaben der Quadrophenia-Tour auf der dritten DVD enthalten. Dazu gibt es drei Stücke eines Konzerts im Giants Stadium 1989 sowie ein Interview mit Billy Idol.

Netter technischer Gag ist der "MX interactive Visual Commentary". Ein tolles Gimmick deshalb, weil es einfach leicht zu bedienen ist. Und darüber hinaus hoch interessant, denn Townshend und Daltrey plaudern ausführlich über Quadrophenia und Tommy.

Natürlich darf ein Wort über John Entwistle nicht fehlen. The Who 2002 und 2004 sind wahrlich phantastisch und Pino Palladino ist ebenfalls ein toller Bassist, aber John Entwistle ist auf der Bühne nicht zu ersetzen. Man mag es vergessen, wenn man Who 2 live sieht oder hört, aber wann immer Entwistle zu sehen und zu hören ist, wird der derbe Verlust spürbar...

Kurz gesagt: Die neue Dreier-DVD ist ein Muss für alle Who-Fans!

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