Ein Meisterwerk auch in der Neuauflage

Quadrophenia DeluxeNun haben auch The Who ihren Directors Cut. Oder besser gesagt, Pete Townshend hat ihn. Denn der Gitarrist der Who hat in den vergangenen Monaten viel Zeit in die neue Box gesteckt, die jetzt erschienen ist. Herausgekommen ist ein tolles Paket, bei dem besonders die CDs drei und vier hervorstechen. Hier nämlich finden Fans des Albums herausragende Demoaufnahmen Townshends, die das gesamte Werk und seinen Entstehungsprozess sehr gut verdeutlichen.

Was ist alles drin in der neuen Box? Zunächst erst einmal auf zwei CDs die neue remasterte Version des Originalalbums. Townshend hielt den neuen Remix für nötig, da er besonders mit dem Sound des Originalalbums nicht zufrieden war. Roger Daltreys wundervoller Gesang sei völlig untergegangen, schreibt er in dem hundertseitigen dicken Buch, das mit der Box daherkommt und voll ist mit unglaublich vielen interessanten Erklärungen und tollen Fotos. Weiterhin dabei zwei CDs mit Demoaufnahmen von 1970 bis 1973. Disk Nummer 5 ist eine DVD. Sie enthält acht Stücke, die für Surround Sound neu gemixt wurden. Townshend wollte damit endlich das realisieren, was ihm 1973 nicht gelungen war, nämlich einen echten Surround Sound. Dazu gibt es noch ein Poster, einige Faksimile-Drucke und einen Nachdruck der Single 5.15 in echtem Vinyl.

Disks eins und zwei bieten nichts Neues. Große Unterschiede zum Remaster-Album von 1996 sind nicht zu hören. Insofern greift der Fan automatisch zu den Demos. Und diese sind - man muss es schlichtweg so sagen - phantastisch. Nur wenige sind bekannt, einige erschienen auf Bootlegs, ein paar auf Townshends Scoop-Reihe. Die Mehrzahl aber ist unbekannt. Sie zeigen, wie Townshend mit dem Werk über Jahre hinweg gespielt, es weiterentwickelt hat. Zu jedem Demo gibt es eine ausführliche Erklärung des Komponisten, was zusätzlich zum Verständnis beiträgt. Bei einigen Songs fragt man sich, wieso er nicht als Who-Version auf dem Originalalbum war. Die Klangqualität ist gut, Townshends Stimme - der Gitarrist spielt übrigens fast alle Instrumente selbst - klingt so phantastisch, dass es ein wahres Erlebnis ist, diese beiden Disks immer und immer wieder aufzulegen.

Unter Who-Fans umstritten ist, dass Townshend nachträglich fünf Demos verändert hat. Auf Quadrophenic Four Faces, I've Had Enough, Sea and Sand, Bell Boy und Doctor Jimmy hat Peter Huntington nachträglich Schlagzeug gespielt. Nicht 1973, sondern 2011! Peter Huntington - er spielte auf Wire and Glass von den Who - macht seinen Job wirklich gut, und da man die Neuaufnahme im Stil der Demoaufnahmen vorgenommen hat, stören sie nicht. Im Gegenteil, es klingt wirklich gut. Folglich könnte man sich höchstens darüber aufregen, dass der Brite die Demos nicht in ihrem ursprünglichen Zustand belassen hat. Doch, schreibt Townshend, "diese Freiheit habe ich mir genommen". Ganz egal, wie man dazu steht, die neuen Drums stören die Aufnahmen in keinster Weise.

Zu erwähnen ist noch, dass Quadrophenia 2011 in verschiedenen Versionen erschienen ist. Am besten ist natürlich die Super Deluxe Edition mit den oben beschriebenen Packungsinhalten. Daneben gibt es aber noch eine Doppel-CD, die als Bonus elf Demos enthält. Da es diese Kombination relativ preiswert ergibt, ist sie sicher eine gute Alternative für Fans, die nicht so viel Geld ausgeben sollen. Jedem aber, der Quadrophenia liebt und rund 80 Euro über hat, kann bedenkenlos zur Box greifen.

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